Symbolische Darstellung; KI-generiert.
Nach dem Krieg von 2020 hat die armenische Regierung eine grundlegende sicherheitspolitische und wirtschaftliche Neuausrichtung eingeleitet. Als Reaktion auf die veränderte regionale Konfliktdynamik und die von Jerewan als unzureichend bewerteten russischen Sicherheitsgarantien setzte Armenien seine aktive Teilnahme an der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) aus. Stattdessen intensivierte das Land die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Dieser politische Kurswechsel beschränkt sich inzwischen nicht mehr auf die diplomatische Ebene, sondern erfasst zunehmend kritische nationale Infrastrukturen, die historisch durch Verträge mit der Russischen Föderation gebunden waren. Dazu zählen der Betrieb des nationalen Eisenbahnnetzes, die Kontrolle künftiger Transitwege sowie die vertraglich geregelte Sicherung der armenischen Staatsgrenzen zur Türkei und zum Iran.
Die vorliegende Analyse untersucht diese infrastrukturelle und sicherheitspolitische Transition am Beispiel des Trans-Caspian International Route Project (TRIPP) und der armenischen Eisenbahnkonzession. Ziel der Untersuchung ist es nicht, die politische Legitimität von Armeniens Bündnisentscheidungen zu bewerten, sondern deren materielle und strategische Konsequenzen zu analysieren. Im Zentrum steht dabei die Wechselwirkung von Nutzen und Risiko: Es wird geprüft, welche konkreten wirtschaftlichen und geopolitischen Kapazitäten Armenien durch die neuen Projekte aufbauen kann und welche bestehenden vertraglichen Betriebs- und Sicherheitsfunktionen die Regierung aufgibt, bevor diese neuen Strukturen faktisch etabliert sind.
